Reiner Gärtner

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Journalist, Informationsarchitekt, Fachkraft für Solartechnik

Eine Pause zum Nachdenken

Gestern saß ich in einem vollbesetzten Zug von München zurück ins schöne Allgäu. Mein Abteil war vollgestopft, es gab keinen Platz, um meine Beine auszustrecken. Meine Sitzwahl am Fenster stellte sich schnell als schlechte Wahl heraus: volle Sonne, etwa drei Stunden lang. Eigentlich wollte ich auf meiner Rückreise noch ein wenig arbeiten, aber ich konnte leider die Schrift auf dem Bildschirm nicht vernünftig sehen. Meinen Ipod hatte ich zuhause gelassen und es gab noch nicht einmal Platz, um etwas in mein Notizbuch zu kritzeln. Also starrte ich aus dem Fenster und ließ saftige Wiesen an mir vorbeiziehen.

Es war laut und stickig im Zug, gleichzeitig überzog mich eine wohlige Ruhe. Endlich offline.

Offline sein – als “Information Worker” muss man sich das erkämpfen. Telefon aus? Dann könnte ja ein neuer Auftrag durch die Lappen gehen. Eine E-Mail wird nicht innerhalb von ein paar Minuten beantwortet? Der Auftraggeber will 24×7-Erreichbarkeit. So wird man zum “Information Slave”, zum Sklaven der Informationsgesellschaft. Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken, zum Gegenprüfen, ob man eigentlich in die richtige Richtung läuft oder mit dem Kopf nach unten nur noch stur Aufgaben abarbeitet.

Deswegen: Öfter mal das Telefon ausschalten, E-Mails ignorieren, nicht erreichbar sein und raus an die frische Luft; Räume für neue Gedanken schaffen, die uns über den alltäglichen Wahnsinn heben und den Fokus auf das Wesentliche schärfen.

Oft lohnt sich diese “Kreativitätspause”, die ja keine ist, denn im Kopf surrt es meistens weiter. Ich habe immer einen kleinen Kugelschreiber und kleine Notizzettelchen in der Hosentasche. Kommt ein Einfall, schreibe ich es sofort auf. Das hätte ich schon früher machen sollen, viele gute Ideen sind so flüchtig. Sind ganz besonders gute Ideen dabei, wird mein Schritt immer schneller, es zieht mich nach Hause. Jetzt ist wichtig, einen Platz für die Ideen zu finden. Entweder gleich abarbeiten,  anstoßen oder die Zettelchen in die In-Box legen und die Aufgaben irgendwie weiterverarbeiten – möglichst in Ruhe.

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