Wenn der Chef ChatGPT entdeckt, brennen alle anderen aus
Bisher war oft der CEO der wichtigste Entscheider im Unternehmen. Früher waren das überwiegend ältere Männer mit Sekretären und begrenztem technischem Wissen. Doch die heutigen CEOs, die jünger sind, aber irgendwie älter aussehen als sie sind, können sich der KI nicht widersetzen. Das ist halt der Trend, den man mitsurfen muss.
Die CEOs nutzen natürlich auch fleißig ChatGPT, Notebook LLMs und andere Tools. Zunächst vielleicht als Suchmaschine, aber einige haben nun verstanden, dass sie damit ihre eigene Leistung und die ihrer Mitarbeiter auswerten, einschätzen und steigern können. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf …
Denn wenn man Pech hat, dann steckt man fest in einem dieser altmodischen Top-Down-Unternehmen; was heißt, der CEO misstraut grundlos seinen Mitarbeitern und überprüft deren Arbeit mit ChatGPT, wo er oder sie nur kann. Schließlich weiß ChatGPT alles und sogar besser. Das Resultat: Chef weiß auch alles besser, bis ins kleinste Detail (was eigentlich nur noch die engsten Beteiligten einschätzen können).
Finde einen Prompt, der mit dem CEO in Resonanz geht
Na toll, der CEO kann jetzt KI. Ist doch super, oder? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. In der Regel packt das nur noch mal eine weitere Lage Superstress auf den Rücken aller Beteiligten. Denn der Chef sieht nur den Output, niemals die Gedanken, Prozesse und das Ringen um Entscheidungen – selbst, wenn diese mit KI mehrfach justiert and verbessert wurden (Prompt: Mein Chef ist ein Kontrollfreak. Wie komme ich zu einer Entscheidung, die ihm passt, aber auch noch gut fürs Geschäft ist. Mein Chef tickt so {Eigenarten und Ziele des Chefs}.
Noch schlimmer: Weil der Geschäftsführende sieht, dass alles so schnell geht (unabhängig von dem Nutzen und der Umsetzbarkeit des Deepseek-Reports) entsteht nun die Erwartung, dass mit dem Anschaffen der Tools und einer kleinen KI-Schulung alles blitzschnell geht und man viel mehr schaffen kann, die Produktivität in die Höhe schießt und man auch weniger teure Mitarbeiter braucht.
Schneller und schlauer ausbrennen
Wer schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet hat, sieht sofort, dass es keine geölte Maschine ist, die stundenlang alles abarbeitet, ohne nachzudenken. Aber noch immer ist dieses Bild nicht aus den Köpfen der Old School-Generation, zu der ich mich ja auch zähle, herauszubekommen. In diesem geölten Maschinenbild läuft alles reibungslos. Vielleicht bringt KI diesen Schmierstoff rein., Man erzielt möglicherweise einen schnelleren Durchsatz und vielleicht springt auch eine höhere Qualität heraus (wenn man überhaupt weiß, wie sich die gewünschte Qualität definiert und wie man sie prüfen kann), aber letztlich brennt alle aus.
Wir schieben nur noch etwas in die Maschine rein und setzen um, was sie sagt. Weil wir wissen, der CEO schmeißt am Ende die Maschine ebenfalls an und wird natürlich noch irre viel finden, was man besser machen kann (denn man kann natürlich immer etwas besser machen!) Und ehrlich gesagt frage ich mich, wer in so einer Maschine arbeiten möchte, in der man nur noch Ausführender ist. Ich nicht. Aber was dann?