Das Geräuschlose des Radios
Im Englischen nennt man das “radio silence”. Vielleicht gibt es einfach nichts mehr zum Sagen, nichts mehr zum Schreiben. Vielleicht möchte ich der Welt, die hier ganz ungeniert mitlesen und mitdeuten kann, nichts mehr über mich erzählen. Weil es wahrscheinlich nur noch Maschinen sind, die meine Website pflichtbewusst abgrasen.
Vielleicht bin ich aber auch nur zu faul, um die Arbeit anzugehen und mir die Zeit zu nehmen, um meine vielen Gedanken im Kopf zu verflüssigen und in Schrift zu gießen.
Ich könnte auch einen KI-Agenten losschicken und etwas Generisches schreiben lassen. Das hat dann nur entfernt mit mir zu tun, aber es würde den Entfernten signalisieren, dass ich noch da bin. Aber ich weiß ja nicht einmal, ob und wer mir überhaupt noch folgt, wer das Folgen längst aufgegeben und sich enttäuscht entfernt hat.
Social Media würde es den Folgenden erleichtern. Aber ich habe es schon lange abgestellt. Ich möchte lieber im echten Leben leben, mit echten Menschen sprechen, Resonanz spüren. Lieber gehe ich spazieren mit Freunden. Das ist besser als jede Online-Notiz. Und wahrscheinlich habe ich deswegen lange nichts mehr veröffentlicht.
Und jetzt komme ich noch einmal zurück zum Anfang: Will ich das überhaupt, dass ChatGPT und Gemini und diese ganzen KI-ganten meine Notizen gründlichst durcharbeiten und dann anderen entfernten Menschen (oder eher menschlichen Raubtieren), die mir niemals nahe sein wollen, genug Daten und Stoff geben, um aus diesen aus einer Laune heraus entstandenen kleinen Textvignetten ein Psychoanagramm zu erstellen?
Möchte ich, dass auf der Basis dieser Notizen, die ja auch nur einen Bruchteil meiner Gedanken aus einer vergangenen Zeit repräsentieren, Zahlen errechnet werden, die mich mit anderen vergleichbar machen? Ich weiß es nicht. Zum Glück ist mir das auch egal. Ich nehme also den Punktabzug in Kauf und schiebe das hier mal auf die Datenautobahn.