Neulich habe ich beschrieben, warum das eigentliche Problem mit der KI nicht die Arbeitslosigkeit ist, sondern das De-Skilling. Bleibt die Frage, was man dagegen tut.
Während alle Angst haben, von der künstlichen Intelligenz ersetzt und arbeitslos zu werden, sehe ich das viel größere Problem woanders. Wir verlieren zwei Dinge. Erstens die Fähigkeit, etwas wirklich genau zu verstehen und einzugreifen. Zweitens die Neugier, etwas Neues auszuprobieren und daraus etwas zu entwickeln, das noch keine künstliche Intelligenz errechnet hat.
Denn es gibt immer noch einen Menschen, der überhaupt etwas startet. Jedenfalls momentan.
Wenn du also in den nächsten Jahren erfolgreich sein willst, dann setze KI ein, so gut du kannst — aber gezielt, als Werkzeug. Drück nicht die ganze Zeit auf Ja, wenn dir etwas vorgeschlagen wird. Nimm dir die Zeit, es wirklich zu verstehen.
Und nicht nur das. Schreib die Pläne, die Entscheidungen, die Erkenntnisse — deine und die der KI — in ein separates System. Ein Second Brain. Während der Code läuft, geh weg vom Schreibtisch. Nimm ein Stück Papier und rekapituliere, was gerade passiert ist. Was du entschieden hast und warum. Bau es auf, schreib es auf, mal es auf.
Wenn du ein Whiteboard hast, kritzel herum. Versuch es nicht nur dir, sondern anderen zu erklären. Wichtig ist, dass du es begreifst und nicht nur verstehst. Begreifen heißt, dass du es vollständig mit der Faser durchdringst — nicht nur „ja klar, habe ich verstanden" sagst und fünf Sekunden später nicht mehr weißt, worum es ging.
Wenn du den Job verlierst
Denn solltest du deinen Job verlieren, obwohl du dich so wunderbar in die KI-Werkzeuge eingearbeitet hast, dann stehst du in Konkurrenz mit allen anderen, die das genauso gut und schnell können. Wahrscheinlich besser. Deine einzige Chance: dass du wirklich verstehst, was da passiert.
Du fängst dann in Unternehmen an, die halbfertige KI-Projekte haben und nicht mehr weiterwissen. Die erwarten von dir, dass du dir die Prozesse und die bisherigen Zwischenstände ansiehst und sie begreifst. Du musst keinen Code können. Du musst die richtigen Impulse setzen — ohne dich vorher für ein paar Stunden zu verabschieden, um das mit Claude Code zu erledigen.
Schon im Bewerbungsgespräch wird es nicht reichen, zu sagen, dass du dieses oder jenes Produkt gebaut hast. Das kann jetzt jeder. Wichtiger ist die Geschichte: warum du es gebaut hast und was du daraus gelernt hast.
Jedenfalls würde ich mir das von vernünftigen Interviewern erhoffen. Wobei ich nicht weiß, wie KI-affin so ein Mensch aus der Personalabteilung eigentlich ist.