2019 - Der Weg zum Berg

  

Mein Weg zum Berg

Befinden Sie sich schon auf dem Gipfel oder steigen Sie noch auf? Ist der Gipfel Ihr Ziel oder haben Sie das Ziel schon längst aus den Augen verloren? Dann sollten Sie vielleicht absteigen und einen neuen Berg finden.

Eine lange Zeit dachte ich, ich befinde mich mitten im Anstieg auf die Spitze eines Berges. Um das Ziel, die Spitze, zu erreichen, geht es in den Bergen fast immer stetig nach oben. Man muss sich also genau einteilen, wie schnell man läuft, wann man eine Pause macht. Und wer gerne in die Berge geht, weiß genau, welchen Gipfel er Heute erreichen will. Da kommt es selten vor, dass man sich mitten im Berg dann doch für einen anderen Gipfel entscheidet.

Für viele fühlt sich das Leben genau so an. Wir sind auf dem Weg zum Gipfel, oben ist die Luft immer dünner und es wird anstrengender. Ich glaube aber, dass die meisten von uns gar nicht mitten im Berg stecken , sondern dass wir uns eigentlich meistens im langen, flachen Zustieg zum Berg befinden. Wenn das so ist, dann haben wir eine ganz andere Situation und ein anderes Bild: Dann ist es nämlich nur noch wichtig, den Berg im Hintergrund immer im Blick zu halten und möglichst in die richtige Richtung zu steuern. Es fällt eine Menge Druck ab.

Wer dreht schon in der Mitte um?

Ich befinde mich seit etwa anderthalb Jahren schon auf einem langen Weg zu einem anderen Berg. Ich entschied mich damals stärker auf meine eigenen Projekte und Produkte zu setzen, statt mit einer Handvoll größeren Auftraggebern zusammenzuarbeiten. Ich hatte also einen ganz besonderen “Berg” im Blick und natürlich auch schon ganz genau definiert, wie es denn aussehen könnte, wenn ich dann auf der Spitze dieses Berges stehen würde.

Wenn ich nun zu Beginn des Jahres 2019 ein kurzes Resümee ziehe, dann stelle ich fest, dass sich immer noch im Zustieg bin. Und: Dass ich mich im Laufe der Zeit mit verschiedenen Maßnahmen und Projekten immer wieder verzettelt habe und in die richtigen in die falsche Richtung gelaufen bin. Zum Glück schaffte ich es aber dann doch wieder zurück auf den Pfad zum Berg.

Mein Weg zum Berg

Im Nachhinein waren die vielen Umwege, Versuche und Experimente sehr hilfreich. Denn ohne diese Umwege wäre mein Drang letztendlich weiter zum Berg zu laufen vielleicht schon gar nicht mehr so stark.

Der neue Berg ist vielleicht ganz woanders…

Seit Mitte des letzten Jahres ist aber etwas passiert: Der Berg, auf den ich so beständig zuwanderte, wurde für mich aus persönlichen Gründen gar nicht mehr so attraktiv. Plötzlich hatte ich einen anderen Berg, einen sehr großen Berg im Blick. Was tun? Schließlich befand sich der der zweite, der neue Berg, weit weg von allen anderen Bergen. Ich musste mich entscheiden, ob ich nun den bereits eingeschlagenen Weg zum “alten” Berg weiterlaufe und von dort anschließend zum neuen Werk laufe oder ob ich kurzfristig alles ändere mich direkt zum neuen Berg aufmache. Aus der Ferne ist das klar: Richtung ändern, sofort. Doch wenn man schon eine Weile unterwegs war, will man nicht so einfach loslassen.

Was passierte also? Zunächst einmal nichts. Wie paralysiert blieb ich stehen und starrte die Berge aus der Ferne an. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, hatte schon so viel Zeit und auch Geld investiert. Mein Bauchgefühl sagte immer schon: Lass es, du musst woanders hin.

Meer statt Berge

Über die Jahre habe ich gelernt, letztendlich meinem Bauch zuzustimmen und so schlage ich seit Anfang des Jahres 2019 konsequent den Weg zum neuen Berg ein. Das hat Auswirkungen auf meine berufliche Orientierung und wie ich die Welt um mich herum sehe.

Was heißt das nun alles? Wir sollten uns genau überlegen, ob wir auf den Gipfel wollen oder ob es uns vielleicht sogar reicht nur zum Berg zu laufen und uns dem Weg dorthin zu erfreuen. Wenn wir mental flexibel bleiben, dann können wir auch andere Berge erreichen. Wir müssen nur lernen nicht stoisch ein Ziel erreichen zu müssen, das wir eigentlich gar nicht mehr erreichen wollen. Das heißt, dass die vielen zunächst lästig erscheinenden Umwege extrem wichtig sind. Sie geben uns mehr Orientierung und die Gelegenheit, den Weg und das Ziel zu hinterfragen.

Die letzten Jahre wollte ich aufsteigen, doch diesesn Jahr reicht es mir, einen sehr langen, flachen Weg zu gehen. Einen Weg ans Meer.