Reiner Gärtner

Persönliche Notizen aus Digitalien.

Reiner Gärtner - Newcastle, Australien

Sprechen, worüber man nicht sprechen will

Manchmal muss man darüber sprechen, warum man über etwas nicht sprechen kann. Dazu gibt es eine interessante Analogie: Du kannst mit deinem Auto überall hinfahren. Aber du solltest auch immer auf den Motor hören. Rasselt oder pocht da etwas leise, knarzen die Bremsen? Wenn du es merkst, dann bringst du du das besser Auto zur Werkstatt bringen, bevor es stehenbleibt. Und deswegen, solltest du zügig ansprechen, wenn etwas in eine falsche Richtung läuft.

Bist du ein Zauberer?

Du machst Unmögliches möglich: Du liest anderen Menschen Wünsche von den Lippen ab. Sie müssen es noch nicht einmal aussprechen, vielleicht wissen sie noch nicht einmal, was sie wollen, was sie benötigen. Du hörst den ersten halben Satz und dann füllst du den Rest in deinem Kopf aus. Weiterreden ist jetzt lästig, für alle eine Zeitverschwendung. Denn du kennst die Lösung. Du weißt so wenig. Trotzdem sagst du: Alles klar, ich habe verstanden, was du benötigst.

Ja, Nein, Naja und ein Nanein

Wenn du dich beim nächsten Mal für oder gegen ein Projekt entscheiden willst: Höre in dich herein. Was hörst du? Ein lautes JA? Ein klares NEIN? Oder ein dünnes Naja? Meine Erfahrung sagt, dass alles, was kein JA ist, automatisch ein Nein ist. Einfach, oder? Derek Sievers nennt das ein „Hell-Yeah“. Pep Guardiola: Thiago oder Nix. Ein klares Nein ist auch einfach. Aber was ist mit den Graustufen dazwischen? Erinnerung: Es gibt nur ein JA, alles andere ist ein Nein.

Von Sie zu Du zu du

Ich hatte vor etwa einem halben Jahr meine Gedanken zum Thema Binnenmajuskel und Gendern aufgeschrieben. Kürzlich wollte ich etwas nachsehen und bin auf die Notiz gestoßen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die Leser mit „Du“ angeredet habe. Das mache ich seit ungefähr einem Jahr, vorher „Siezte“ ich alle hier. Seit ein paar Monaten bin ich auf das kleine „du“ umgestiegen und habe das altmodische, höfliche Du ebenfalls einkassiert. Ändert sich dadurch etwas?

Wann hast du Dich zuletzt körperlich verausgabt?

Vor einigen Jahren stand ich mit einem befreundeten Vater am Seitenrand eines Fußballfeldes. Wir beobachteten die Mannschaft und natürlich ganz besonders unsere eigenen Kinder. In der Halbzeitpause fragte mich der Vater recht unvermittelt und direkt: „Wann hast du dich zuletzt körperlich so bewegt, dass du auf der Wiese flach auf dem Rücken liegen musstest, um dich davon zu erholen?“ Ich war etwas irritiert, worauf wollte er hinaus? Wollte er höflich darauf hinweisen, dass ich nicht besonders fit oder gesund aussehe?

Neun Stunden in der Zukunft

Heute um 2 Uhr ist die Zeit um eine Stunde in die Zukunft gehüpft. Ich bin an diesem Sonntag um 6:47 aufgewacht und war noch recht müde. Kein Wunder, denn es wäre ja erst kurz vor sechs gewesen. Gestern. Jetzt sind wir in der Sommerzeit angelangt. Draußen ist es bereits sommerlich warm, es riecht nach Australien; salzig, süß und würzig. Bald, wenn Europa in die Winterzeit schlüpft, sind es sogar zehn Stunden Zeitunterschied.

Wie schnell geht das?

Bis hierhin hat es zwei Minuten und 40 Sekunden gedauert. Ich habe es gestoppt. Was ist bisher passiert? Ich habe eine Idee für eine neue Notiz. Allerdings weiß ich noch, worüber ich genau schreiben will. Um Geschwindigkeit soll es gehen. Um die eigene Geschwindigkeit; aber auch um die gefühlte Geschwindigkeit und wie schnell wir in den Erwartungen anderer Menschen sein sollten. In meiner perfekt optimierten Produktivitätswelt dauert es 2:40 Minuten, um mit dieser Notiz zu starten.

Jetzt läuft es wieder

In meinem Leben ging es schon immer um Sport, vor allem um Schwimmen und Laufen. Vor ziemlich genau 30 Jahren kaufte ich mit meinem Zivi-Gehalt in einem Triathlon-Laden eine Polar Accurex-Pulsuhr. Die klobige Uhr muss so etwa 500 Mark gekostet haben. Damals (und auch heute) eine Stange Geld. Aber ich trug die Uhr täglich, sie war mein treuer Begleiter beim Radmarathon-Fahren und später bei Marathonläufen. Damals schnürte man sich noch ganz eng ein schwarzes, gummiertes Stoffband um die Brust.

Die innere Stimme

Du willst einfach nur da sein. Präsent. Hier im Moment leben, alles aufsaugen und nichts verändern, es so sein lassen wie es ist. Doch dann ist da diese Stimme in deinem Kopf. Und die will etwas anderes. Sie will kommentieren, werten, alles schlecht machen, keine Hoffnung geben, sondern zerquetschen und pulverisieren. Du spürst es, kannst sie aber nicht leiser stellen. Nach Außen wirkst du gleichgültig, interessiert, offen. Aber deine Fragen, dein Ton, selbst deine Augen verletzen, als hättest du in deinen Worten einen Schraubenzieher versteckt, mit dem du nun in die Ohren und in die Seele des anderen Menschen bohrst.

Wie viel schaffst Du gleichzeitig?

Zu Beginn meiner Laufbahn war ich ein begeisterter Multitasker (damals war alles „Multi“, zum Beispiel „Multimedia“ und „Multikulti“). Die Computer waren langsam und während des Hochfahrens konnte man locker in die Teeküche laufen, ein Schwätzchen halten, danach noch einkaufen gehen und nach der Rückkehr war der Computer – damals sagten wir noch „Rechner“ endlich gestartet. Die Prozessoren der Computer waren schlapp und sie konnten nicht besonders viel gleichzeitig erledigen. Es gab auch keine besonders rechenintensive Programme, die das erforderten.

Hugo New Post automatisieren

Das ist wieder so eine Notiz, die für etwa 99 Prozent aller Leser unwichtig ist. Also: Lies einfach die nächste Notiz. Vielleicht hast Du aber diesen Beitrag über die Google-Suchfunktion gefunden. Ich habe ein Weile nach dieser Automatisierung von Hugo gesucht und, bevor ich es wieder vergesse, will ich es hier notieren. Das Veröffentlichen im Web mit Hugo funktioniert hervorragend. Wäre ich noch mit Wordpress unterwegs, würde ich niemals so viele Notizen erstellen.

Langsamer und genauer

Slow cooking, slow thinking, slow moving und slow reading: Mich ziehen diese Ideen und Lebensstile an. Ich will alles einfacher und reichhaltiger machen. Weniger ist mehr, es geht nicht um die Masse, sondern um die Qualität, um die Essenz unseres Denkens, und unseres Lebens. Warum bleibt es meistens dann doch bei den Worten und alles läuft „huschhusch“ ab? Wenn alles schneller wird und wir nicht mehr kauen, sondern nur noch alles herunterschlucken, und uns gleich den nächsten großen Brocken einschieben, dann verdauen wir auch nichts.

Agil, flexibel und spontan?

Wenn ich in der deutschen Sprache das Wort „agil“ benutze, dann sehe ich vor mir einen Kletterer, der versucht eine steile Wand hochzuklettern. Ich sehe eine Frau mit einem langen Stab auf einem Drahtseil, das über eine tiefe Schlucht gespannt ist. Und vor meinem inneren Auge sehe ich einen Mountainbike-Fahrer, der eine steile Abfahrt mit engen Wegen, spitzen Steinen und kantigen Wurzeln herunterrast. Wenn ich an das A-Wort denke, dann denke ich an Menschen, die ein Ziel haben.

Hörst Du die Angebote?

Du bist bereit. Aber für was eigentlich? Worauf wartest Du? Du planst Deinen Tag, definierst Deine Ziele für die nächsten Monate und vielleicht die nächsten Jahre. Du bist auf dem Weg. Aber wohin? Rennst Du den ganzen Tag herum, um etwas zu schaffen, was abends schon wieder vergessen ist? Beachtest Du die Menschen um Dich herum? Oder ziehst Du einfach Deine Bahnen, um an beliebiger Stelle anzukommen, wo es auch nicht besser ist?

Wir vergessen, was wir schon geschafft haben

Es gibt jeden Tag so viel zu tun. Und wir vergessen, dass wir überschätzen, was wir an einem Tag schaffen und unterschätzen, was wir in einem Monat oder in einem Jahr schaffen – wenn wir nur dranbleiben. „Heute räume ich mal mein E-Mail-Postfach auf, da sind jetzt 9 GB an Daten drin“: Solche epischen Projekte können sich über Jahre ziehen und meistens bleibt es beim Projekt, das nie erledigt wird.

Podcast-RSS-Feed aus einzelnen MP3s generieren

Make it easy to take it easy: Wie kann ich Audiodateien so unkompliziert wie möglich in einen Podcast verwandeln, ohne zusätzliche Kosten für Podcast-Plattformen zu verursachen? Ich hatte vor einem guten Jahre Octopod auf Jekyll installiert, aber selbst diese Lösung erschien mir zu kompliziert. Zwar ist Jekyll auch ein statischer Websitegenerator, aber ich musste an verschiedenen Stellen Dateien erstellen und generieren, so dass ich letztendlich keine Audiodateien mehr auf das System stellte.

Wir sind im Lockdown

Jetzt hatte ich doch erst kürzlich geschrieben, dass ich meine Website „This Australian Life“ einstampfen werde und etwas anderes aus dem Blog mache, nun habe ich es mir es anders überlegt. „This Australian Life“ lebt also weiter. Ich habe die Website angepasst und ziehe gerade alle 50 Artikel auf die neue Website. Wahrscheinlich habt Ihr schon herausgefunden, dass die Basis von diesem Blog stammt. Das erleichtert mir die Arbeitsabläufe ungemein und ich kann schneller und mehr veröffentlichen.

Sei bereit, wenn die nächste Idee anklopft

Ich mag den Gedanken, dass wir einfach genug Geduld haben sollten, bis eine Idee, eine Inspiration anklopft. Das passiert nicht oft. Wir sollten also bereit sein und die Idee nicht nur freudig begrüßen, sondern sie geradezu zärtlich umgarnen, dranbleiben, nicht mehr loslassen. Denn Ideen mögen es gar nicht, wenn man sie links liegen und warten lässt, bis es genehm ist. Ich bin mir sicher, dass Du im Laufe Deines kreativen Lebens schon einige tolle Ideen für Projekte und Produkte hattest, die Du nach anfänglichem Enthusiasmus doch aufgegeben hast.

ssh-Schlüssel nicht ständig eingeben

Manche Einträge schreibe ich und dann vergesse ich sofort, was ich geschrieben habe. Andere, für alle anderen scheinbar uninteressante Einträge, wie dieser hier rufe ich alle paar Monate ab, weil ich die Info sonst lange googlen müsste. Genau dafür schreibe ich ja meine Notizen hier. Dieser Eintrag ist wieder mal so ein Spezialeintrag, den nur wenige interessant finden werden. Mein Ziel: Ich will mit meinem kleinsen Raspberry Pi Zero täglich ein Git-Repository per git pull ziehen, quasi als Backup.

Clonezilla gewinnt, Impfen verliert

Eigentlich wollte ich heute über die COVID-Situation in Australien schreiben. Sydney ist seit fast drei Wochen im Lockdown, Melbourne und Brisbane sind ebenfalls von der Welt abgeschlossen. Ausgerechnet Newcastle ist von COVID19 bisher verschont worden, was mich wundert, denn es gibt ja rege Handelsbeziehungen zwischen Sydney und Newcastle. Dann wollte ich in vielen blumigen Worten erklären, warum Australien beim Impfen so weit zurückhängt. Momentan sind nur etwa 10 Prozent aller Australier geimpft.